Eine Turnerfahne für den Verein

Guten erhalten: Die historische Fahne der Turngesellschaft 1904 Bildstock. Die Fahnenweihe ist für 1904 dokumentiert - Aufschrift: "Ein frisches Turnerblut bringt Kraft und frohen Mut." Heute befindet sich die Fahne im Eigentum des TV Bildstock.

 

 

Bei vielen Turnfesten und Vereinsfeiern dienen Fahnen als festlichen Schmuck. Aufgehängt an der Wand oder im Glasschrank ist die Fahne nichts anderes als ein lebloses Objekt. Nimmt sie der Turner in die Hand oder bringt sie  ins Freie beginnt sie zu leben.

Ihr „Körper“, das Bild nämlich, bewegt sich, ihre „Seele“, der Wahlspruch, atmet auf und macht symbolhaft auf  Geist und Gesinnung der Gemeinschaft oder der Zugehörigkeit einer Gruppe Gleichgesinnter aufmerksam. Deshalb hat sie in ihrer Geschichte auch die unterschiedlichsten Darstellungs- formen als Feld-, Erkennungs- und Anfeuerungszeichen, als Banner, Standarte, Flagge oder gar in heutiger Zeit als Spruchband mit Parolen beschriftet bei Demonstrationszügen und Protestversammlungen durchgemacht. Immer bildet sie den Punkt, um den man sich schart, ganz gleich, ob im Verein und in der Kirche, beim Feiern und Trauern, beim Schwören und Werben.

Zeugnisse einer Turnära
So haben sicherlich manche Turner in unseren Vereinen nach dem zweiten Weltkrieg die ganze Gemütsskala der Stimmungen, Emotionen und Gefühle unter dem weltumfassenden Turnerzeichen der 4F (frisch, fromm, fröhlich, frei) bei den verschiedensten Gelegenheiten erlebt und sich sehnlichst ein vereinsidentifizierendes Vortragezeichen, wie es von vielen Vereinen mit Stolz gezeigt wird, gewünscht. „Die Fahne mit Tradition“ gibt es in ihrem Verein wahrscheinlich nicht mehr, weil im Krieg verschollen oder nach dem Neuanfang noch nicht genügend Geld dafür übrig war. So ein kostbares Tuch, wie es früher von Frauen in Handarbeit aus vornehmem Tuch und wertvollem Garn gestickt wurde, kann kein Zeugnis abgeben vom Hoch und Tief einer langjährigen Turneraera in so manchem Turnverein. Aber da sind die Geschichten und Anekdoten, die Fotos und Urkunden und vor allem die Schleifen und Bänder. Aufgehängt an einer Fahnenspitze lassen sie Erinnerungen aufsteigen, regen im Einklang mit dem „Körper“ und der „Seele“ eines Fahnenbildes das Gemeinschaftsgefühl und die seelische Hochstimmung an.

Sinnbild von Tradition und Moderne
Bei einem Jubiläumsfest soll dann der langgehegte Wunsch in Erfüllung gehen. Der Turnverein bekommt seine Fahne. Aber vorher stand die Frage: Was machen wir drauf? Ein Bild ? Ein Vereinswappen? Ein Motto? Ein Treuebekenntnis zum Bund?  Und, und, und ... Jedenfalls soll sie zum Ausdruck bringen, dass sie aus der heutigen Zeit stammt, sie auch in Zukunft mutig und frei gezeigt werden kann, aber die Wurzeln unserer Tradition nicht vergessen lässt.

Freuen wir uns darauf, wenn bei den vielen Turnerfesten „Flagge“ gezeigt wird, wir uns darunter versammeln und Bindung schaffen aber gleichzeitig nicht vergessen „den turnerischen Dingen geistig nachzugehen“ ganz gleich in welcher breitgefächerten Fachdisziplin wir uns im  Turnerbund bewegen.

Anregungen und Diskussionsbeiträge hierzu sind im Rahmen eines Braunshausener Gespräches gerne erwünscht.

Helmut Feß, Kulturwart im STB

Kultur "begeistert"

Eine Aufgabe des Kulturausschusses: Herausgabe der "Braunshausener Hefte"

Der Kulturausschuss, das "kulturelle Gedächtnis" des Saarländischen Turnerbundes (STB), bietet den Vereinen zahlreiche Serviceleistungen. Dies gilt etwa für Festschriften, Jubiläen oder Ausstellungen. Turnen ist eben mehr als "nur" Turnen.

Seit 2005 treffen sich wieder Mitglieder des Kulturausschusses, nachdem 2001 im Zuge der Umstrukturierung des STB die Kultur dem Arbeitsbereich eines der Vizepräsidenten eingebunden wurde. Es schien, als sei ein Kulturwart nicht mehr notwendig. Im zurückliegenden Jahr erwies sich, dass ein funktionierender Ausschuss eine wesentliche Stütze für das Gedächtnis des turnsporttreibenden Verbandes darstellt. Dieses wach zu halten, gilt es zu pflegen.

Vielseitige Aufgaben stehen an
Die Tätigkeit des Ausschusses bestand bisher darin, aufzuarbeiten, was schon früher einmal begonnen wurde und zum Bedauern von ehemaligen Mitgliedern nicht zu einem Abschluss gekommen war. Ein Beispiel ist die Umsetzung einer Porträt-Galerie zum Gedenken an die ehemaligen Präsidenten und Vorsitzenden des Saarländischen Turnerbundes im Gästehaus Braunshausen. Oder in Erinnerung an die frühereren
Mettlacher Zeltlager die Herausgabe des „5. Braunshausene Heftes“. Im Entstehen ist zur Zeit eine Sammlung von erhaltenswerten Liedern der heutigen Zeit und Liedgut.

Kulturausschuss unterstützt die Vereine
Nun möchte der Kulturausschuss mehr auf die Vereine zugehen. Das nicht zustande gekommene Braunshausener Gespräch ließ den Schluss zu, dass es zu wenig interessierte Personen in den Vereinen gibt, die sich den kulturellen Fragen widmen oder die es verstehen, das Gedächtnis ihres Vereins zu bewahren und es zeitgemäß in die Öffentlichkeit zu tragen. Allenfalls bei Fünfer- und Nuller-Jubiläen zuckt der Geistesblitz und eine „Festschrift wird gemacht“. In diesem Jahr gibt es etliche hunderterjährige Jubiläen. Wie wäre es, wenn alle, die dieses Alter bereits erreicht haben, sich träfen und den Nachkommenden von ihren Erfahrungen berichteten? Anregungen zur Gestaltung von Fest und Feier im Verein finden sich im 2000 erschienenen Braunshausener Heft 4 des STB.

Mit dem Umzug des Braunshausener Archivs ins Landesarchiv Scheidt entfielen die monatlichen Beratungsstunden. Inzwischen hat Diplom-Archivar David Kraus, zuständig für das Saarländische Sportarchiv im Landesarchiv, soweit das Umzugsmaterial unter Kontrolle, dass jeder Verein Einsicht nehmen kann und Beratung findet. Oft sind mit Jubiläen auch Ausstellungen verbunden. Hierzu kann der Kulturwart Hilfestellung leisten, sei es zur Thematisierung oder Bereicherung, wenn das Vereinsmaterial nicht ausreichend oder interessant genug erscheint. Auch damit schaffen wir Bindung gemäß dem Leitbild des Deutschen Turner-Bundes: nämlich, unsere Leistungsfähigkeit und die gesellschaftliche Bedeutung der Turnbewegung in die Öffentlichkeit hinauszutragen.

Helmut Feß, Landeskulturwart

Astrid Fleischmann, ehemalige Turnerin, hat das Gerätturnen im Schulsport unter die Lupe genommen.

Turnerbund trifft Wissenschaft: „Wie beliebt ist Gerätturnen?“

Hier erfahren Sie:
- warum der STB die Wissenschaft fördert.
- wie es mit dem Gerätturnen an Gymnasien aussieht.
- warum das Turnen schon in der Grundschule so wichtig ist.

Stiftungsarbeit ist Kulturarbeit – STB fördert wissenschaftliche Arbeiten

Meister stehen auf dem Treppchen, Meister werden geehrt. Denn auf sportliche Leistungen kann man stolz sein. Für den Saarländischen Turnerbund ist die Förderung von Spitzensport eine wichtige Säule im Selbstverständnis. Hinzu kommen der Breitensport und: die Kultur. Ein Beispiel der STB-Kulturarbeit ist die Förderung wissenschaftlicher Leistung.

Die STB-Stiftung zur Förderung wissenschaftlicher Arbeiten ist 1987 gegründet worden. Sie ging auf Anregung der Turnerjugend zurück. Bislang haben acht Autoren von der Stiftung profitiert. Sie erhielten jeweils einen Zuschuss. Fördernswert sind für die Stiftung Arbeiten, die sich mit turngeschichtlichen Fragen oder Grundsatzfragen des Turnens befassen. Auch wenn die Turnpraxis im Mittelpunkt einer Arbeit steht, kann das ein Grund zur Förderung sein. Entschieden wird auf Antrag.

Das jüngste Beispiel der Förderliste ist eine Staatsexamensarbeit von Astrid Fleischmann. Die 28-jährige ist immer noch aktive Turnerin, Übungsleiterin und Kampfrichterwartin. Nach ihrem Studium an der Saar-Uni in den Fächern Sport und Französisch absolviert sie zur Zeit das Referendariat für das Gymnasiallehramt in Heidelberg. Ihre Arbeit trägt den Titel „Untersuchungen zum Gerätturnen im Schulsport – eine Situationsanalyse an saarländischen Gymnasien. Die Arbeit ist mit 1,0 bewertet worden. Die Absolventin hat zahlreiche Lehrer befragt.

Astrid Fleischmann, wie lauten zentrale Ergebnisse Ihrer Arbeit?
„Insgesamt geht aus der Datenauswertung hervor, dass es um das Gerätturnen im gymnasialen Schulsport des Saarlandes nicht so schlecht steht, wie in der Literatur oftmals beschrieben. Von Seiten der Lehrer wird dieser Sportart ein relativ hoher Stellenwert und eine wichtige Funktion in der Grundlagenvermittlung beigemessen. Dennoch ist die Situation des Gerätturnens problematisch. Auf der einen Seite liegen die Probleme bei den Schülern. Die Sportart gilt als sehr unbeliebt, was auf mangelnde körperliche Voraussetzungen, Vorkenntnisse und motorische Defizite zurückzuführen ist. Andererseits machen aber auch die schulischen Rahmenbedingungen wie zwei Wochenstunden Sport, große Klassen, unzureichende Gerätesituation, geringe Übungsfrequenz und ein hoher zeitlich-organisatorischer Aufwand den Gerätturnunterricht zu einem Kraftakt.“

Was können wir als Turnerbund daraus lernen?
„Der Turnerbund könnte noch mehr als bisher die Zusammenarbeit mit den Schulen fördern, insbesondere den Kontakt  mit den Sportlehrern aufsuchen, indem man gemeinsam neue, für Jugendliche attraktive Angebote schafft, und dadurch mehr Schüler zum Turnen bringt. Beide Seiten könnten davon profitieren: Zum einen wirkt sich regelmäßiges Gerätturnen im Verein positiv auf die körperlichen und motorischen Voraussetzungen der Kinder aus. Übergewicht und Haltungsschäden wird entgegengewirkt, ebenso die Kraft, Koordination und Beweglichkeit gefördert. Stimmen diese Voraussetzungen ist Turnen auch keine Qual und die Schüler haben mehr Spaß beim Erlernen neuer Bewegungen im Unterricht. Wichtig ist es, besonders früh anzusetzen, d.h. in der Grundschule, wo Grundlagen gesetzt und die Weichen zum Gerätturnen gestellt werden. Zum anderen besteht die Möglichkeit durch diese Kooperation Schüler für das Gerätturnen im Verein zu gewinnen.“

Den Schlusspunkt Ihrer Arbeit setzen Sie mit einem Zitat von Turnvater Jahn aus dem Jahr 1816. Warum? Was sagt er Ihnen heute?
„Schon Jahn hat als Begründer des heutigen Gerätturnens vor fast 200 Jahren erkannt, dass Turnen, damals ein Sammelbegriff für vielseitige Körperübungen, eine wichtige Rolle in der Erziehung und Ausbildung junger Menschen spielt. Das Turnen fördert nicht nur den Körper durch Kräftigung und Beweglichkeit sondern trägt auch zur Herausbildung der Persönlichkeit bei. Jahn verfolgte ein ganzheitliches Bildungsziel. „Dauerbarkeit“, „Nachhaltigkeit„ und Anstelligkeit“ sind meiner Meinung nach auch heute noch Eigenschaften, die durch das Turnen vermittelt werden können. Diese Sportart verlangt ein gewisses Maß an Hartnäckigkeit, Bissvermögen und Disziplin gegenüber sich selbst und anderen. Aber auch Rücksichtnahme, Fairness und gegenseitige Hilfe sind gerade im Gerätturnen wichtige Eigenschaften. Jahn ist also auch noch im 21. Jahrhundert aktuell!“

Der STB hat durch seine Stiftung Ihre Arbeit mit einem Zuschuss gefördert. Von dem finanziellen Aspekt einmal abgesehen: Welchen Sinn sehen Sie in der Stiftung?
„Der Saarländische Turnerbund hat mit dieser Stiftung die Möglichkeit bei der Durchführung wissenschaftlicher Untersuchungen als Ansprechpartner helfend zur Seite zu stehen und neben finanzieller auch organisatorische Unterstützung zu geben. Turnen ist ein Stück deutsches Kulturgut und sollte bei aller Achtung der anderen sportwissenschaftlichen Forschungsgebiete weiterhin Berücksichtigung finden. Außerdem  trägt diese Stiftung dazu bei, die Ergebnisse von Diplom- und Examensarbeiten der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und so Denkanstöße für die Praxis zu liefern. Dadurch erfüllen solche Arbeiten  nicht nur den Zweck einer Prüfungsleistung und verstauben nach der Benotung in einem Regal, sondern haben wirklich einen praktischen Nutzen.“